Vorratsdatenspeicherung

6. November 2007, 14:45:19

Die Vorratsdatenspeicherung ist eine Speicherung von Daten auf Vorrat.

Das heißt, bestimmte Daten werden lückenlos, von jedem Bürger gespeichert. Auch wenn der Bürger nichts verbrochen hat. Auch wenn es ganz private Daten sind, wie der abendliche Anruf bei der Geliebten. Selbst dann, wenn man Leute anruft (oder von ihnen angerufen wird), die eigentlich schweigepflichtig sind darüber, mit wem sie gesprochen haben: Ärzte, Rechtsanwälte, die Telefonseelsorge. Sogar dann werden die Verbindungsdaten gespeichert, wenn einer der Gesprächspartner von der Verfassung besonders geschützt wird, weil er als Journalist einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Demokratie leistet (bzw. leisten soll).

Eine solche Vorratsdatenspeicherung soll schon ab nächsten Januar in Deutschland gemacht werden. Sie betrifft Uhrzeit und Telefonnummer bei Festnetzanrufen, Uhrzeit und IP-Adresse bei Internetsurfern (bei Dir z.B.), und beim Handy nicht nur die Anrufe, sondern auch die konkrete Funkzelle, von der aus ein Anruf getätigt wurde. Wenn Du also am Dienstag vormittag nicht von der Arbeit aus telefonierst, sondern von zu Hause aus, wird das (in den meisten Fällen) im Protokoll sichtbar.

Auf Vorrat heißt: sechs Monate lang. Sechs Monate wird es nachvollziehbar sein, wenn Du blau gemacht hast, an einem Abend besonders viele Telefonate geführt und am Ende die Telefonseelsorge angerufen hast, und als Du den Termin bei dem Arzt für Geschlechtskrankheiten vereinbart hast, nun, da wurde die Tatsache Deines Anrufs auch für sechs Monate gespeichert. Nicht nur der Staat hat Zugriff auf die Daten, sondern auch die Mitarbeiter der jeweiligen speichernden Unternehmen, ob sie nun Telekom oder Alice heißen, 1&1 oder STRATO.

Diese Woche entscheidet der Bundestag darüber, ob wir wirklich eine solche Datenspeicherung auf Vorrat bekommen. Die Regierung will das so.

Deshalb gibt es heute bundesweite Kundgebungen dagegen.

Die Musikindustrie hat nicht immer recht

21. Oktober 2007, 21:55:14

Bild von einer Schallplatte
Mit der Schallplatte ist die
Muskikindustrie groß geworden.

Das Landgericht Stuttgart hatte über einen dieser IP-Adressen-Fälle zu verhandeln: Die Musikindustrie findet heraus, mit welcher IP-Adresse Musik getauscht wurde. Da sie noch nicht vom Provider die Zuordnung der IP-Adresse zu einem Anschluss verlangen darf, überträgt sie diesen Teil der Staatsanwaltschaft, indem sie Strafanzeige erstattet. Sodann schreibt sie eine fette Abmahnung.

In diesem Fall aber ging das schief: Die Staatsanwaltschaft hatte einen Zahlendreher gemacht, und dadurch den Täter am falschen Anschluss vermutet. Der Abgemahnte erhob Klage gegen die falsche Beschuldigung und gewann.

Die Moral von der Geschicht’: Es ist nicht von vornherein aussichtslos, sich zu wehren, und wenn man Richtern einen technischen Sachverhalt gut erklärt, können sie ihn auch verstehen.

Freiheit statt Angst

23. September 2007, 00:20:24

Man kann wohl von ca. 15.000 Teilnehmern ausgehen, die heute in Berlin für Freiheit demonstriert haben, gegen Panikmache, gegen Überwachung durch Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, Gesundheitskarte u.a. Laut heise.de eine deutliche Steigerung zu vorangegangenen Veranstaltungen, Patrick Breyer vom AK Vorrat sagte deshalb auch an die Adresse der PolitikerInnen, dass wir immer mehr werden.

Was mir gefallen hat:

  • die Vielfalt der Demonstrierenden
  • die Rede des Arztes, der die Probleme mit der Gesundheitskarte erklärte, insbesondere, dass die Daten über das Internet zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenkassen hin- und her geschickt werden sollen, und dass ca. 2 Millionen Menschen Zugang zu den Daten bekommen sollen. Das hatte ich mir so nicht klar gemacht. Und mir wird schlecht bei dem Gedanken, wie leicht es sein wird, eine unterbezahlte Sprechstundenhilfe um Zugang zu den Daten zu bitten…
  • in der Rede eines internationalen Hedonisten die Formulierung (ungefähr) “Wenn man weiß, dass man beobachtet wird, beginnt man, sich mit den Augen des Beobachters zu sehen. Man bewegt sich nicht so, wie man sich eigentlich bewegen wollte. Man sagt nicht das, was man eigentlich sagen wollte. Und man küsst nicht so wild, wie man eigentlich küssen wollte!” Guter Gedanke, dem sich m.E. nachzuspüren lohnt. Chapeau!
  • Bei der Abschlusskundgebung die Aussage, dass wir das Risiko terroristischer Anschläge eingehen müssen, denn leben ist Risiko. Wenn wir das Risiko nicht eingehen, bringen wir uns selbst um, weil wir dann nicht leben.

Was ich nicht verstanden habe:

  • Warum manche Menschen in schwarzer Uniform auf eine Demo für Freiheit und Vielfalt kommen.
  • Warum bereits gegen die Vorkontrollen protestiert wurde. Es war doch klar gewesen, dass es welche geben würde.
  • Was die politische Aussage von schwarzer Kleidung ist, was der schwarze Block eigentlich wollte auf der Demo.
  • Warum die Polizei auf einer Demo gegen Polizei- und Überwachungsstaat intensiv und offensichtlich filmen musste.
  • Wie man als Polizeivorgesetzter seine Leute in kleinen Gruppen mitten in den schwarzen Block hineinschicken kann.
  • Warum die gewaltsame Verhaftung von Leuten, die gegen das Vermummungsverbot verstoßen oder deren Transpi zu groß ist (vgl. heise.de) unter den heute gegebenen Umständen noch verhältnismäßig sein soll.

Wirklich scheiße fand ich:

  • Dass die Polizei den schwarzen Block über einen längeren Zeitraum hinweg provoziert hat.
  • Dass vor dem Palast der Republik eine größere Gruppe Polizisten mitten in den ruhig und friedlich da stehenden schwarzen Block rein gerannt ist.
  • Dass vor der DeutschenStaatsoper die Polizei den schwarzen Block aufgehalten hat und Rangeleien angefangen hat.
  • Dass ich von einem Polizisten angerempelt wurde, einfach nur, weil ich mir erlaubt habe, zu stehen, wo ich stand. Ich habe das als Beleidigung empfunden.
  • Dass dasselbe auch einer anderen Frau passiert ist. Die hat vielleicht nicht darüber gebloggt, aber wenigstens hat sie dem Typen ein “Arschloch” hinterher gerufen, und darum beneide ich sie.
  • Dass ich Kopfschmerzen und brennende Augen hatte (Körperverletzung), einfach nur, weil ich als Bürgerin das Handeln der Polizei beobachten wollte. (die Überwacher überwachen)
  • Dass die Berliner Polizei seit Jahren immer wieder gegen ihre eigenen Vorschriften verstößt. Und deshalb hier noch mal zum nachlesen:

Das Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwangs bei der Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Landes Berlin, kurz UZwG Bln, hat einen § 21 und der lautet:

“Der Gebrauch von Hiebwaffen und Hilfsmitteln der körperlichen Gewalt mit Ausnahme der technischen Sperren gegen eine Menschenmenge ist wiederholt anzudrohen.”

Was “Hilfsmittel der körperlichen Gewalt” sind, steht in § 2 Absatz 3 UZwG Bln:

“Hilfsmittel der körperlichen Gewalt sind insbesondere Fesseln, Reiz- und Betäubungsstoffe, Diensthunde, Dienstpferde, Dienstfahrzeuge, Wasserwerfer und technische Sperren sowie zum Sprengen bestimmte explosionsfähige Stoffe (Sprengmittel).”

Nochmal langsam zum mitschreiben: Wenn man Reizgas (gem. § 21 b vorzugsweise Pfefferspray) einsetzen will, muss man das wiederholt androhen. Und zwar so, dass die Leute das verstehen. Also z.B. mit Hilfe eines Megafons. “Wiederholt”, so habe ich es im Referendariat gelernt, heißt “mindestens drei Mal”.

Wer nicht mindestens drei Androhungen gehört hat, und trotzdem tränende Augen hat, muss wohl Heuschnupfen haben.

Und jetzt noch zur Erläuterung für Leute, die sowas noch nie erlebt haben: Wenn es so stinkt, ist der erste Impuls, sich ein Tuch vor die Nase zu binden - gefährlich auf einer Demo, weil man damit (s.o.) Anlass zur Verhaftung gibt.

Update:

“Der Polizeieinsatz während der Großdemonstration gegen zunehmende elektronische Überwachung durch den Staat am Sonnabend in Mitte wird heute Thema im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses sein. ‘Wir werden das Vorgehen der Polizei zur Sprache bringen. Der Innensenator muss erklären, was vorgefallen ist und wie es dazu kam’, sagte gestern die innenpolitische Sprecherin der Linkspartei im Abgeordnetenhaus, Marion Seelig.”

Update: Den oben verlinkten Artikel hat die Berliner Zeitung aus ihrem Online-Archiv genommen, und ich hatte vergessen, ihn abzuspeichern. Daraus lerne ich! Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, dass ihnen ihre (i.Ü.) falsche Berichterstattung peinlich ist?
Die Sitzung hat statt gefunden, und das Protokoll (pdf-Datei) hat die engagierte Frau Seelig als Schriftführerin geschrieben:

Punkt 8 der Tagesordnung
Besondere Vorkommnisse
Polizeipräsident Dieter Glietsch berichtet über den polizeilichen Einsatz bei der Demonstration am
22. September 2007 (Protest gegen die Vorratsspeicherungen und Online-Durchsuchungen) und
beantwortet Fragen der Ausschussmitglieder.”

Die mündige Bürgerin fühlt sich gut informiert, vielen Dank.

Entwurf des BKA-Gesetzes veröffentlicht

2. September 2007, 21:28:03

Nein, noch nicht offiziell, aber dem Chaos Computer Club wurde ein Exemplar zugespielt, das sie natürlich prompt veröffentlicht haben. Ich habe es mir noch nicht angeguckt.

Sehr wichtig finde ich aber auch die vom CCC verlinkte Zeitungsmeldung, nach der ein BND-Mitarbeiter die E-Mails des Liebhabers seiner Frau überwacht hat.

Kleiner Tipp: Bei Thunderbird ist das Plugin “Enigmail” ganz fix installiert, man kann dann unter “OpenPGP” im “Keymanager” sich einen Schlüssel generieren lassen (”generate key”). Den teilt man der/dem Liebsten in einer vertraulichen Stunde mit, und jedenfalls für Liebesabenteuer reicht das dann.

Sicherheit ./. Rechtsstaat

3. Juli 2007, 10:15:54

Bei tagesschau.de gibt es eine Abstimmung zur Sicherheitspolitik von Innenminister Schäuble. Obwohl seine Amtsbezeichnung falsch eingetragen wurde (Verfassungsminister, das soll wohl ein Witz sein?), haben 96,8 Prozent die Aussage angeklickt, wonach Herr Schäuble eine Gefahr für das Grundgesetz ist. (Stand: heute und jetzt)

Weiter unten steht noch “Das Ergebnis dieser Umfrage ist nicht repräsentativ.”

Klare Worte

8. Mai 2007, 21:46:58

Foto von einer Demo gegen den Irak-Krieg
Foto: Igelball, Lizenz: GNU

finden die Funktionäre von Anwälten, Ärzten und Journalisten:

“Wenn hier versucht wird, im Alltag der Kriminalitätsprävention, der Strafverfolgung und des Staatsschutzes zum Teil als lästig empfundene Teile des Rechtsstaates zu minimieren oder ganz abzuschaffen, mag das menschlich verständlich sein, ist aber vor dem Hintergrund der Selbstprivilegierung der Politik und in Anbetracht des “Restfeigenblattes” bei der Strafverteidigung eher schändlich zu nennen.”

(Hervorhebung von mir)

Die Erklärung bezieht sich auf den Entwurf eines Telekommunikationsüberwachungsgesetzes. Mit diesem soll die vom BGH vorläufig für unzulässig erklärte Online-Durchsuchung (Stichwort Bundestrojaner) auf eine gesetzliche Grundlage gestellt werden. Außerdem soll die Vorratsdatenspeicherung eingeführt werden und bei alle dem bleiben Schweigepflichten von Anwälten und Ärzten auf der Strecke. Denn auch wenn die Telefonate (noch) nicht abgehört werden, wird immerhin für ein halbes Jahr gespeichert, dass Du gerade eben beim Arzt für Geschlechtskrankheiten angerufen hast. Und letzte Woche, als Du mit dem Handy von der Demo aus den Anwalt angerufen hast - tja, da wurde nicht nur seine Nummer gespeichert, sondern auch Dein ungefährer Standort. Du solltest hoffen, dass, die Demo friedlich geblieben ist. Und vorsichtshalber solltest Du in Zukunft nicht mehr demonstrieren gehen…

Und dass ist das, was die Anwälte meinen, wenn sie ihre Angst äußern dass der Rechtsstaat vor die Hunde gehen könnte. Sag nicht, dass könne nicht passieren. Das ist schon mal passiert in Deutschland.

Und nicht nur der Staat ist ein gefährlicher Verwalter von Daten. Auch seine Mitarbeiter sind nur Menschen und können bestochen werden. Von Erpressern, Arbeitgebern, Vermietern und eifersüchtigen Ehepartnern. Denn sie alle wollen diese Infos haben, die da gespeichert werden sollen.

Update: Zum Thema “Selbstprivilegierung der Politik”: Politiker-Handhelds sollen jetzt besonders gut verschlüsselt werden. Aha.
(via)

Besserer Schutz für BloggerInnen

21. April 2007, 22:10:08

Die große Koalition will Domaininhaber-Daten gegen Missbrauch schützen.

who.is - Abfrage von Domaindaten

Sonst nehme ich das Innen ja nicht so wichtig. In diesem Fall aber schon:
Auch wenn die Impressumspflicht für rein private Websites seit Einführung des Telemediengesetzes eingeschränkt ist, bleibt für alle Domaninhaber die Tatsache, dass ihre Adressdaten über who.is abrufbar sind.
Name, Adresse, etc.

Für den Prototyp des deutschen Bloggers (männlich & publicitygeil) ist das sicher kein Problem.
Für die weibliche Mehrheit (!) der deutschen Blogosphäre aber schon. Schließlich sind es Frauen, die überwiegend Opfer von Stalking werden. Und wir leben noch immer mit dem Wissen, dass wir im Zweifel die Schwächeren sind, nachts, im dunklen Park. So was prägt die Art, wie man durchs Leben geht. Sowas prägt auch die Sensibilität im Hinblick auf who.is.

Und deshalb ist diese Nachricht eine gute Nachricht auch und gerade für BloggerInnen: Die große Koalition will die personenbezogenene Daten von DomaininhaberInnen künftig besser gegen Missbrauch schützen. (Quelle, via)

Hoffentlich denken die Damen und Herren PolitikerInnen dabei auch über die Impressumspflicht nach. Insbesondere von kleinen FreiberuflerInneN …

Heiß gekocht und kalt gegessen

21. April 2007, 11:49:34

Mein Senf zu Innenminister Schäubles Aussage, dass die Unschuldsvermutung in der Gefahrenabwehr Wurst ist.

Die Unschuldsvermutung ist Teil des Rechtsstaatsprinzips und gilt im Strafrecht.

In der Gefahrenabwehr gilt das Verhältnismäßigkeitsprinzip.

Gemeinsamkeiten: Beide sind Ausfluss des Rechtsstaatsprinzips.

Unterschiede:

  • Die Unschuldsvermutung gilt ausschließlich im Strafrecht.
    In der Gefahrenabwehr gibt es keine Unschuldsvermutung.
  • Gefahrenabwehr findet dann statt, wenn eine Gefahr besteht. Beispiel: Ein Baum ragt gefährlich auf die Straße und könnte umstürzen und jemanden verletzen.
    Strafrecht findet hinterher statt, wenn z.B. ein Mörder verurteilt wird.
  • Die Unschuldsvermutung ist unverrückbar und gilt für alle. Deshalb schreiben Zeitungen noch während des Prozesses vom “mutmaßlichen” Täter.
    Das Verhältnismäßigkeitsprinzip dagegen ist relativ. Es werden zwei Dinge ins Verhältnis gesetzt und abgewogen. Der Baum kann jemanden verletzen, das ist schlimm. Aber der Baum gehört jemandem, und der will nicht, dass sein Eigentum beschädigt wird. Was ist schlimmer: Die Gefahr, dass durch den Baum jemand verletzt wird, oder die Beschädigung des Eigentums?
    Die Prüfung der Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme (z.B. Baum absägen) ist kompliziert und ausgefeilt. Dazu gehört auch die Prüfung, ob es ein milderes Mittel gibt. Z.B. den Eigentümer anrufen, damit er selbst entscheiden kann, was mit seinem Baum geschehen soll.

Wenn also Innenminister Schäuble sagt, dass der Grundsatz der Unschuldsvermutung nicht für die Gefahrenabwehr gelten könne, verstößt er damit nicht gegen das Recht.

Deshalb kann es jederzeit passieren, dass Unschuldige in in den Verdacht geraten, gefährlich zu sein und dass dann auch gegen diese Unschuldigen vorgegangen wird.
Dann kann ihr Baum abgesägt werden, oder ihr Geschäft geschädigt werden, sie können ausländischen Folterknechten überlassen werden, manchmal werden sie auch erschossen.

Orwell’s Shoppe [via] zeigt humorvoll auf, wo die Gefahren für Unschuldige liegen und war der eigentliche Anlass für dieses Posting.

Rechnung enthält Virus

13. April 2007, 10:53:18

Viel Ärger hat man mit den Gebrüdern Schmidtlein und ihren unsauberen Geschäftspraktiken. Sie betreiben Abzock-Websites wie 123simsen.com, Fabrikverkauf-heute.com und - was ich besonders perfide finde, lehrstellen.com

Allen diesen Seiten war bis vor kurzem gemeinsam, dass dort Kostenloses angeboten wurde, in den AGB (unwirksam!) dann doch was von Kosten stand, und viele (unberechtigte!) Rechnungen verschickt wurden. Es ist die alte Rechnung “Wenn nur jeder Zehnte bezahlt…”.
Hier müssen große Mengen an Rechnungen/Mahnungen rausgehen, wenn Udo Vetter schon letzten Sommer von 1200 Anzeigen berichten konnte. Auf seinen Artikel hat er über siebenhundert Kommentare bekommen. Wir stellen uns also vor, die Schmidtleins und ihr Rechtsanwalt Olaf Tank haben 1 Million unberechtigter Rechnungen/Mahnungen rausgeschickt. Jeder Zehnte, der bezahlt, das sind immer noch 100.000 Leute. Die geforderten Summen reichen von 100 bis 900 Euro. Selbst bei der kleinsten Summe (100 Euro) kommen bei 100.000 Leuten noch 10 Millionen Euro raus. Die sind zu dritt, da wird bei vorsichtiger Schätzung jeder von den dreien dreifacher Millionär.

Nachdem erst kürzlich ein ähnlicher Anbieter (u.a. lebensprognose.com) zum Schwarzen Schaf des Jahres 2007 gekürt wurde, nun auch das noch: Spam mit Absender Olaf Tank. Es wird auf eine angeblich signierte pdf-Rechnung hingewiesen, die allerdings laut Verbraucherzentrale einen Trojaner enthält, also einen besonders üblen Virus.

Dass es sich hier tatsächlich um Spam handelt, kann ich bestätigen: Ich habe gestern drei E-Mails an verschiedene E-Mail-Adressen bekommen, die alle behaupten, ich sei am 29.07.006 um 14.33 Uhr mit der IP-Adresse 217.981.869.24 auf einer Seite gewesen, die ich gar nicht kenne.

Viele lassen sich von sowas einschüchtern, deshalb zur Erinnerung: Der Internetprovider darf die IP-Adresse höchstens so lange aufbewahren, bis die Rechnung bezahlt ist. Es ist geplant, dass die Provider verpflichtet werden sollen, die IP-Adressen aufzubewahren, und zwar für sechs Monate (sogenannte Vorratsdatenspeicherung). Das ist aber noch nicht erlaubt!!!

BTW gegen die Vorratsdatenspeicherung wird morgen in Frankfurt am Main demonstriert! (vgl. Banner oben auf der Seite)

Mehr zum Thema: 123simsen.com, Kohle tanken und Mal wieder: Internetbetrug.

Skandal!

17. Januar 2007, 14:29:51

Liebe Polizei!
Du musst unsere Daten schützen. Denn das Strafrecht gilt auch für Dich: Wenn Du unsere geheimen Daten verrätst, kannst Du bestraft werden. Und wenn Du vorbestraft bist, musst Du hoffen, dass das niemand ins Internet stellt. Mit Name und Adresse und so. Könnte unangenehm werden. Vor allem, wenn Du gerade eine neue Arbeit suchst… Und ganz besonders, wenn die Vorstrafe im normalen Führungszeugnis gar nicht mehr auftaucht, nur noch in dem für Behörden. Und wenn die Info dann ca. ein Jahr lang im Internet bleibt…

"Tröste Dich, es könnte schlimmer kommen.
Ich tröstete mich, und es kam schlimmer":

Auch nachdem schon darüber berichtet worden war, konnten die Daten leider nicht gelöscht werden. Und selbst, als sie gelöscht waren, waren sie immer noch abrufbar.

Am Mittwoch gegen 14:00 Uhr sind die Daten nicht mehr im Google-Cache. Ob sie noch woanders sind, werde ich jetzt nicht recherchieren. Aber es wäre wohl ein Wunder, wenn das niemand abgespeichert hätte: Vom Personal-Recruiter über den Vermieter bis zum Erpresser reicht Liste potentieller Kunden. Private Krankenversicherungen nicht zu vergessen.
Die Polizei Darmstadt hat sich bis jetzt noch nicht offiziell geäußert.

Hoffentlich arbeitet man in Halle sorgfältiger.