Vorratsdatenspeicherung

Die Vorratsdatenspeicherung ist eine Speicherung von Daten auf Vorrat.

Das heißt, bestimmte Daten werden lückenlos, von jedem Bürger gespeichert. Auch wenn der Bürger nichts verbrochen hat. Auch wenn es ganz private Daten sind, wie der abendliche Anruf bei der Geliebten. Selbst dann, wenn man Leute anruft (oder von ihnen angerufen wird), die eigentlich schweigepflichtig sind darüber, mit wem sie gesprochen haben: Ärzte, Rechtsanwälte, die Telefonseelsorge. Sogar dann werden die Verbindungsdaten gespeichert, wenn einer der Gesprächspartner von der Verfassung besonders geschützt wird, weil er als Journalist einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Demokratie leistet (bzw. leisten soll).

Eine solche Vorratsdatenspeicherung soll schon ab nächsten Januar in Deutschland gemacht werden. Sie betrifft Uhrzeit und Telefonnummer bei Festnetzanrufen, Uhrzeit und IP-Adresse bei Internetsurfern (bei Dir z.B.), und beim Handy nicht nur die Anrufe, sondern auch die konkrete Funkzelle, von der aus ein Anruf getätigt wurde. Wenn Du also am Dienstag vormittag nicht von der Arbeit aus telefonierst, sondern von zu Hause aus, wird das (in den meisten Fällen) im Protokoll sichtbar.

Auf Vorrat heißt: sechs Monate lang. Sechs Monate wird es nachvollziehbar sein, wenn Du blau gemacht hast, an einem Abend besonders viele Telefonate geführt und am Ende die Telefonseelsorge angerufen hast, und als Du den Termin bei dem Arzt für Geschlechtskrankheiten vereinbart hast, nun, da wurde die Tatsache Deines Anrufs auch für sechs Monate gespeichert. Nicht nur der Staat hat Zugriff auf die Daten, sondern auch die Mitarbeiter der jeweiligen speichernden Unternehmen, ob sie nun Telekom oder Alice heißen, 1&1 oder STRATO.

Diese Woche entscheidet der Bundestag darüber, ob wir wirklich eine solche Datenspeicherung auf Vorrat bekommen. Die Regierung will das so.

Deshalb gibt es heute bundesweite Kundgebungen dagegen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. November 2007 um 14:45:19 und abgelegt unter Datenschutz, Grundrechte. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

3 Antworten zu “Vorratsdatenspeicherung”

  1. Spiele Fan meint:

    Das ganze herumgeheule bringt doch eh nix, das thema ist durch und wir können absolut nichts dagegen machen. Ich finde wer kein dreck am stecken hat brauch sich auch nicht fürchten!

  2. kleidung meint:

    *lach, es hat doch überhaupt nichts damit zu tun, ob man Dreck am stecken hat oder nicht. Es sei denn man ist exibistionistisch veranlagt und mag es, wenn man alles von sich offen legt. Ausserdem geht es hier nur um die erste Stufe, die erste Stufe ist harmlos, aber was ist wenn es weiter geht, auf die nächste Stufe die nicht mehr so harmlos ist, dann berufen sich diese Herren und Damen auf die erfolgreich durchgedrückte Stufe 1. Gerade bei sowas muss man vorsichtig sein und das Volk sensibilisieren, ansonsten “Willkommen im Überwachungsstaat”.

  3. Blacky meint:

    Ich hab letztens erst gesehen Dr. Motte der Mitgründer von der Loveparade plant nun was großes gegen den Gläsernenrechtsstaat.

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