Todesstrafe, Pöbel und Gerechtigkeit

Weltkarte der Todesstrafe. Farbschlüssel:
Blau: Für alle Straftaten abgeschafft.
Hellblau: Für gewöhnliche Straftaten abgeschafft
(jedoch nicht in Kriegszeiten).
Grün: Seit mindestens 10 Jahren keine Anwendung.
Orange: Anwendung gegen Erwachsene.
Rot: Anwendung auch gegen Jugendliche.
Auch am vierten Tag nach seinem gewaltsamen Tod führt Saddam Hussein die Suchliste bei Technorati an:
Das erscheint mir so widerlich, dass es mich schon schüttelt. Gibt es wirklich Leute, die sich in ihrem Wohnzimmer hinsetzen und an dem Video aufgeilen? Also, ist das der Fortschritt, den die Menschheit seit dem Mittelalter gemacht hat?
amnesty international verurteilt die Hinrichtung im Wesentlichen aus zwei Gründen: Erstens, weil das Gerichtsverfahren unfair gewesen sei. Ich hatte bereits geschrieben, dass dem Gericht Verletzung des Gewaltenteilungsprinzips, unangemessen starke Förderung der Anklage und Fehler bei der Zeugenbefragung vorgeworfen werden. Auch der mangelnde Schutz der Verteidiger (drei von ihnen wurden im Laufe des Verfahrens ermordet) kann nicht zur Gerechtigkeit des Verfahrens beigetragen haben.
Die Schilderung des Staatsanwaltes von der Hinrichtung lässt auch Zweifel darüber aufkommen, welcher Staat denn Hussein hingerichtet hat. Zur Frage, wer die Hinrichtung gefilmt haben könnte, sagt er: "Ich weiß nicht, wie sie ihre Handys da hineinbekommen haben, weil uns die Amerikaner alle unsere Telefone abgenommen haben, sogar meines, das keine Kamera hat."
Zweitens ist amnesty international generell gegen die Todesstrafe. Gründe dafür sind vor allem die Unmöglichkeit, die Todesstrafe im Falle eines Justizirrtumes rückgängig zu machen, aber auch die Frage der Rechtfertigung: "Warum töten wir Menschen, die Menschen getötet haben? Um zu zeigen, dass es Unrecht ist, Menschen zu töten?"
Heute erfahren wir auch, dass die UNO ihren Kampf gegen die Todesstrafe aufgegeben hat, und diese Frage jedem Staat selbst überlassen will. Italien immerhin will weiterhin die europäischen Werte verteidigen und strebt ein Moratorium (=eine Aussetzung) gegen die Todesstrafe an.
Es gibt Grund, darüber zu schreiben: Zwei weitere, von demselben Gericht Verurteilte sollen morgen ermordet hingerichtet werden.
Dieser Beitrag wurde geschrieben am 3. Januar 2007 um 17:30:23 und abgelegt unter Ausland, Staatsrecht. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.
Eine Antwort zu “Todesstrafe, Pöbel und Gerechtigkeit”
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Ein Armutszeugnis stellen sich all die aus, die die die Todesstrafe anwenden - und vor allem, die, die sie gegen Jugendliche anwenden. Mit dem Christentum haben diese Staaten nichts gemein!
Geschrieben am 8. Februar 2007 um 20:24:44 | Permalink