Gerechnete Urteile
Für mehr Gerechtigkeit soll in China ein “Strafmessprogramm für die 100 häufigsten Straftaten” sorgen. Wie der Tagesspiegel berichtet, wurde das Programm von dem Rechtsprofessor und ehemaligen Staatsanwalt Qin Ye entwickelt, der selbst die Erfahrung gemacht hat, wie seine Vorgesetzten in Gerichtsverfahren eingriffen. Das Programm gibt für den jeweiligen Fall ein Strafmaß vor, von dem die Richter höchstens um ein halbes Jahr nach oben oder unten abweichen dürfen. Auch für Delikte wie “Schädigung der sozialistischen Marktwirtschaft” oder “Pflichtverletzung im Amt” gibt der Rechner Urteile vor. Deshalb sagt Prof. Qin Ye: “Mit unserem Programm kämpfen wir gegen die Korruption.”
Nicht enthalten sind allerdings Delikte wie Staaatsverrat oder Separatismus. Außerdem muss auch der Rechner - wie jeder gerechte Richter - “weiche” Faktoren in seine Rechnung mit einbeziehen: War der Täter Anführer oder Mitläufer? Oder war er “geistig mittelschwer verstört”? Was der Richter dem Computer hier vorgibt, kann er selbst hinbiegen. Der Rechner aber berücksichtigt auch diese Eingaben.
Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. November 2006 um 22:18:06 und abgelegt unter Ausland. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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